Zeitungsberichte

Dem "St. Urs" gehts an den Kragen

In einem Monat wird vom St. Urs in Biberist nichts mehr zu sehen sein. Seit kurzem laufen die Abbrucharbeiten. Speziell acht gegeben muss dabei auf die Gewändeteile der Fenster. Diese kommen ins Depot der Denkmalpflege.

Auf mindestens vier Wochen schätzt Paul Jost die Dauer der Abbrucharbeiten am St. Urs in Biberist. Jost ist Vorarbeiter bei der Riedtwiler Hiltbrunner AG, einer Firma, die sich auf Gebäuderückbau spezialisiert hat.

Mitte letzter Woche haben sich Jost und seine drei Mitarbeiter der Brandruine angenommen. Bevor mit dem groben Gerät aufgefahren werden konnte, hatte Jost abzuklären, wo die diversen Werkleitungen auf dem Abbruchareal durchlaufen. Und er zählt die Herkunft der Kabel und Röhren auf, die sich da im Boden versteckt halten: Wasser, Niederdruckwasser, Gas, Strom, Swisscom, Antenne, Hochspannung und Kanalisation. Bei diesen Vorarbeiten konnte er auf die tatkräftige Mithilfe der Gemeinde zählen, mit der zusammen auch ein Entsorgungskonzept erstellt werden musste.

Viel Handarbeit

Der St. Urs brannte in der Nacht vom 1. auf den 2. August 2008 nieder. Als Brandursache wurde ein technischer Defekt im Elektroverteilkasten ermittelt. Das Gebäude aus dem Jahr 1791 stand unter Denkmalschutz. Vor rund einem Monat hob der Regierungsrat den Schutz auf und gab damit grünes Licht für den Abbruch.

Es fällt sehr viel Handarbeit an , erklärt Paul Jost die besonderen Arbeitsbedingungen bei einer Brandruine. Eisen, Holz, Brandschutt, Kehricht der in die Kebag gelangt und sogenannten Inertstoff gilt es zu trennen. Als Inertstoff bezeichnet man Bauschutt, der durch Kunststoff, Metall, Textilien und ähnlichem verschmutzt ist, nicht recykliert werden kann und in Sonderdeponien gelangt.

Seit Freitag ist auch der 32 Tonnen schwere Bagger im Einsatz, der am Baggerarm mit einem Sortiergreifer ausgerüstet ist. Weil die Platzverhältnisse relativ beengt sind, das Areal von zwei Seiten von Strassen gesäumt und der St. Urs mit den benachbarten Liegenschaften zusammengebaut ist, können die Arbeiten nur von einer Seite vorangetrieben werden.

Noch nichts Konkretes

Speziell acht zu geben haben dabei Jost und seine Mitarbeiter auf die Fenstergewände. Auf diese Gewände aber auch auf das Eingangsportal hat die kantonale Denkmalpflege ihren Anspruch erhoben. Die kunstvoll gehauenen Gewände sind aus Solothurner Stein. Vorerst gelangen sie ins Depot der Denkmalpflege. Dort bleiben sie, bis sich geklärt hat, ob sie bei einem eventuellen Neubau Verwendung finden.

Was genau auf dem St.Urs -Areal künftig zu stehen kommen wird, steht aber noch in den Sternen. Wie Miteigentümer Hanspeter Stern gestern auf Anfrage sagte, müsse vorerst der Abriss vonstatten gegangen sein. Denn: Solange nicht abgerissen ist, machen wir keine konkreten Pläne , erklärte Stern. Er stellte aber in Aussicht, einen allfälligen Neubau zusammen mit der Gemeinde zu koordinieren. Diese ist interessiert, das gesamte Gelände gegenüber der Gemeindeverwaltung zu überbauen. Doch wie gesagt, zuerst will Stern den St. Urs geräumt haben. Und bis es soweit ist, sind noch einige hundert Kubikmeter Material wegzuräumen. Auf rund 500 Kubikmeter schätzt Abbruchspezialist Jost den Betonabbruch, auf 400 Kubikmeter das gemischte Abbruchmaterial. Beim Altholz werden wohl um die 100 Tonnen zusammenkommen , so Jost. Und natürlich fallen auch einige Tonnen Metall an. Das Kupfer sichern wir bei Feierabend jeweils mit dem Sortiergreifer vor Dieben.